Riesters Anreizstruktur ist nicht nur durch staatliche Subventionen attraktiv, sondern auch durch konzeptionelle Veränderungen, die die Riester-Rente sukzessive attraktiver gemacht haben. Als wesentliche Änderung kann seit 2008 der volle Betrag der Riester-Ersparnisse für Baukreditverträge oder den Kauf von Immobilien (“Wohnriester”) verwendet werden. Die Immobilie muss direkt vom Riester-Sparer genutzt werden. Im Vergleich zu anderen Sparmöglichkeiten wie Lebensversicherungen können Riester-Ersparnisse nicht verpfändet werden und müssen nicht aufgebraucht werden, bevor ihre Eigentümer Anspruch auf Langzeitarbeitslosengeld oder Sozialhilfe haben. Greift ein Begünstigter vor dem 60. Lebensjahr auf das Riester-Vermögen zu (Anmerkung: bei ab 2012 abgeschlossenen Verträgen: 62), kündigt er einen Riester-Vertrag oder stirbt ohne qualifizierte Erben (d. h. Ehegatte oder Kinder, für die Kindergeld gezahlt werden), müssen bisher alle staatlichen Leistungen (Zuschüsse und Steuerersparnisse) in monatlichen Raten zurückgezahlt werden (“förderschädliche Verwendung”). Riester-Verträge werden daher in der Regel nicht vor der Pensionierung gekündigt. Begünstigte, die ihren Ruhestand außerhalb der EU/des EWR verbringen, müssen die oben beschriebenen Leistungen ebenfalls zurückzahlen. Aufgrund der sehr strengen staatlichen Vorschriften sind zertifizierte Riester-Pensionspläne eine der sichersten Optionen für Altersersparnisse in Deutschland. Ein chinesisches Sprichwort sagt: `Es ist nicht die Last, die dich aufbricht, es ist die Art, wie du sie tragst.` Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Deutschen erkannt haben, dass diese Binsenweisheit auch für die Alterskrise genutzt werden kann. Die Überalterung der Bevölkerung und negative Anreizeffekte im System der sozialen Sicherheit haben einen Reformprozeß ausgelöst, der 1992 begann und sich fortläuft.

Die wichtigsten Änderungen der Reform von 1992 waren die Verankerung der Leistungen an die Netto- und nicht an die Bruttolöhne. Dadurch werden die Leistungen implizit reduziert, wenn Steuern und Sozialabgaben steigen und das Netto-Verhältnis zu den Bruttolöhnen sinken. Aber das Endziel war immer noch, die erste Säule zu stabilisieren, anstatt einen Teil der Last in Richtung zweiter und dritter Säule zu verlagern. Ende der 90er Jahre erhielt ein typischer Rentner 85 % seines Einkommens aus der ersten Säule, 5 % stammte aus betrieblicher Altersversorgung und 10 % wurde durch private Ersparnisse erwirtschaftet. Die Riester-Reform – ein Schritt in die richtige Richtung Die sogenannte Riester-Reform, benannt nach Walter Riester, dem ehemaligen Minister für Arbeit und Soziales, führte 2001 zu einem wesentlichen Paradigmenwechsel. Die Last der Schaffung von Renteneinkommen muss durch ein komplexes Mehrsäulensystem anstelle des monolithischen Bismarckschen öffentlichen Versicherungssystems getragen werden. Heute beziehen die meisten Arbeitnehmer praktisch ihr gesamtes Renteneinkommen aus der öffentlichen Rentenversicherung.